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Rocky lässt grüßen  
Boxverein Passau-Ruderting
 
Ort 1 - Altstadt | Rubrik: Sport
Bildbeitrag vom 19.01.2017

Die meisten kennen die Szene aus Rocky 2: Rocky Balboa rennt durch die Straßen von Philadelphia, verfolgt von mehreren Dutzend Jugendlichen, bis er am Ende seines Trainingslaufs die berühmten Stufen zum Art Museum erklimmt, wo er sich von der Menge feiern lässt. Spätestens seit dieser Filmsequenz ist das Treppensteigen auch zum festen Bestandteil des modernen Boxtrainings geworden. Wolfgang Rankl kann das bestätigen. Der Trainer des Boxvereins Passau-Ruderting erzählt gerne, wie er im Sommer mit seinen Jungs Ausdauerläufe um die Ortsspitze absolviert, ganz in der Nähe der Turnhalle der Altstadtschule, wo das Training stattfindet. Bei diesen Läufen baut er für seine Schützlinge auch die klassischen Treppensprints ein, was von vorbeilaufenden Fußgängern des öfteren mit erstaunten Blicken quittiert wird.

Ganzkörpertraining

Rankl, der seit über 20 Jahren im Verein ist und selbst in der Bundesliga geboxt hat, versucht seinen Boxlehrlingen ein möglichst vielfältiges Trainingsprogramm zu bieten. An einem Tag gibt es anstrengendes Zirkeltraining, bei dem in kurzen Intervallen an einzelnen Stationen Kraft und Ausdauer auf die Probe gestellt werden. Beim nächsten Mal beginnt er dafür mit einem lockeren Ballspiel, das Koordination und Geschicklichkeit schulen soll. Auf die Mischung kommt es eben an. Denn Boxen ist, wie Rankl selbst betont, ein Training für den gesamten Körper. Pratzenarbeit, also das Trainieren von Schlägen gegen ein Schlagpolster, und Schlagschule machen nur einen kleinen Teil davon aus. Das mag angesichts der Trainingsinhalte, die man teilweise aus Boxfilmen kennt, verwundern, aber auch ein Rocky fängt nun mal klein mit Seilspringen und Treppenläufen an statt mit kräftezehrenden Schlagserien.

Sparring als Königsdisziplin

Die Königsdisziplin des Trainings ist das Sparring, das allerdings den Fortgeschrittenen vorbehalten ist. Sparring ist ein Trainingskampf, der jedoch nicht unter Wettkampfbedingungen stattfindet, um Verletzungen zu vermeiden. Ziel ist es dabei, einzelne Fähigkeiten des Boxers zu verbessern. Einen Sieger oder Verlierer gibt es nicht. Bis ein Anfänger für ein Sparring bereit ist, hängt sehr von individuellen Faktoren wie Talent und Ehrgeiz ab. Meist braucht es aber bis zu einem halben Jahr Vorbereitung. Rankl erzählt lächelnd von Studenten, die hier und da mal in sein Training reinschnuppern und  gleich wissen wollen, wann sie denn nun endlich mal die Chance auf einen Kampf bekommen. Dabei verhält es sich mit dem Boxen wie mit jeder Sportart: Fortschritte werden nur langsam und mit regelmäßiger Übung gemacht. Was beim Boxen allerdings dazukommt, ist das Verletzungsrisiko, das für einen Anfänger natürlich deutlich höher ist.

Anlaufstelle für Geflüchtete

Das Boxtraining in der Altstadtschule, das sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet ist, erfreut sich mittlerweile so großer Beliebtheit, dass Rankl immer wieder Leute abweisen muss. Die Halle ist einfach zu klein. Das tut der Freude am Sport aber keinen Abbruch, denn der Großteil der Leute, der einmal da war, kommt auch wieder. Auch viele Flüchtlinge sind bei den Einheiten dabei. Seit 2010 betreibt der Verein ein integratives Boxprojekt, das junge Geflüchtete für den Sport begeistern soll. Anfangs waren es zehn, jetzt sind es fünf, von denen zwei bald in den Ring steigen. Darunter Abdullah, der pünktlich zu den bayerischen Meisterschaften im Februar seinen ersten Kampf bestreitet.

Der Boxring im Keller

Doch was treibt einen an, um sich neben dem Mechanikerberuf zweimal die Woche in eine Turnhalle zu stellen und gemeinsam mit jungen Männern Medizinbälle zu werfen und Boxsäcke zu schultern? Rankl meint, die Freude am Boxen bei seinen Jungs zu sehen ist für ihn als Trainer Motivation genug. Sein Credo: 100 Prozent oder gar nicht. Dieser Begeisterung macht sich bei ihm besonders bemerkbar, wenn er über seinen Trainermentor Walter Ziegler spricht, ein Mann der ersten Stunde, der bereits bei der Gründung des Vereins 1979 Trainer war und bis heute mit dem Boxsport eng verbunden ist. Gerne verweist er auch auf den originalen Boxring von den Olympischen Spielen 1972 in München, den der Verein gekauft hat und der aus Platzgründen bei ihm zuhause im Keller steht. Gut vorstellbar, dass Rankl selbst noch im hohen Alter in seinem Ring im Keller steht und Schlagserien übt, getreu seinem Vorbild Ziegler. Rocky wäre sicher stolz gewesen.

Text & Fotos: Magnus Petz

 
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