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Die Büchsenmacherei  
Über Waffen, Kunst im Handwerk und Klischees
 
Kirchenplatz 2 - Innstadt | Rubrik: Menschen
Bildbeitrag vom 02.03.2017

Wenn man den Laden von Sebastian Kitzinger am Kirchenplatz betritt, könnte man auf den ersten Blick meinen, sich an der Tür vertan zu haben und in einem neu gestalteten KaffeeWerk zu stehen. Die wuchtige Theke aus Holz erinnert an Cafés, wie sie in Berlin oder Hamburg anzutreffen sind. Der stämmige Mann dahinter raunt dann aber kein hektisches "Dinkel- oder Soja-Milch?", sondern ein ehrliches und warmes "Morgen, schee dassd do bist." entgegen.

Als Junge, der zugegebenermaßen immer schon im Fasching Cowboy oder Mafioso war, weiß man zunächst nicht wohin mit dem Blick. Der Mix aus modern angeordneten Einrichtung aus massiven Holz und handgefertigten Eisenbeschlägen in den alten Gewölben des jahrhundertealten Hauses spiegelt gut die Art des jungen Ingenieurs für Waffentechnik wider, wie sich im Gespräch herausstellt: Über den Großvater sei er vom ursprünglichen Ziel Förster zu werden, zum Beruf des Büchsenmachers gekommen. Nach Ausbildung in Österreich und langjähriger Mitarbeit in der hoch technologisierten Entwicklung eines großen Waffenproduzenten hat der Meister sich nun seinen Traum von der eigenen Werkstatt mit Verkaufsraum erfüllt. Die Standortwahl fiel nicht zuletzt der Liebe und Familie wegen auf Passau.

Ziel: Bundesliga wenn nicht sogar Champions-League

Sein bisher erworbenes Know-How möchte der 29-jährige für Jagd- und Sportschützen anwenden, die sich Ihre Waffen und Zieloptiken bei Ihm einrichten, reparieren oder sogar neu herstellen lassen. Sebastian sieht sich als „Jungspund“ in der Szene, weiß was er kann und wo er Hilfe von Kollegen des Fachs bekommt. Einen Namen in der überschaubaren Gemeinschaft der Schützen möchte er sich über die Jahre mit anspruchsvollen High-End-Anfertigungen machen, bis dahin spiele er jedoch noch in der gehobenen „Regional-Liga“. „Das wären dann Verkaufspreise, die ein Tagesgeschäft schwierig machen würden“, fügt er schmunzelnd hinzu. Er kenne Größen der Szene, die Zier-Waffen im siebenstelligen Bereich verkauft hätten.

Wichtig ist dem Jung-Ingenieur die Kollegialität unter den Bekannten des Fachs, wenn man Rat in einer handwerklichen Problemstellung braucht oder auf Spezialisten in Gravur oder Verzierungen verweisen kann. Aber auch die persönliche Beratung der Kunden im Verkaufsraum war Anreiz für Ihn, den eigenen Laden zu eröffnen: „Es gibt für mich nichts Schlimmeres, wenn ein Kunde mit einem Gerät aus dem Laden geht, hinter dem Ich nicht voll und ganz stehe.“

Handwerk mit Zukunft?

Interessierten jungen Leuten, die über eine handwerkliche Ausbildung nachdenken, kann Sebastian die Ausbildung zum Büchsenmacher ausdrücklich empfehlen. Die technologisch immer wieder herausfordernde Komponente aber auch die Interdisziplinarität der Arbeit, von Holzbearbeitung über Metallarbeiten, bis hin zur Justierung der Zieloptiken mache den Beruf nie langweilig. Zukunftsfähig sieht er den Beruf ebenfalls: „Jäger muss und wird es immer geben.“ Das Klischee von Waffennarren lässt er nicht gelten: in diesem Beruf seien Tüftler, Kundenberater und Ingenieure gefragt, keine Baller-Fans.

Selbst ausbilden möchte der Meister in Zukunft sehr gern, jedoch konzentriert er sich zunächst auf den Ausbau seines Geschäfts: einen ersten Kundenstamm hat er bereits vor der Eröffnung Mitte März 2017 aufgebaut. Die enge Gemeinschaft der Schützen sowie sein Netzwerk auf der ganzen Welt halfen Ihm dabei enorm.

Für Anfragen für ein Praktikum steht Sebastian Kitzinger jederzeit gern zur Verfügung. Jedem, den ein Handwerk zunächst mehr als ein Studium interessiert, ermögliche er gern einen Einblick in seinen Beruf.

Bilder&Text: afs


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Kommentar von Alexander Schray
geschrieben am: 08.03.2017
"Vielen Dank für diesen wundervollen Bericht. Endlich wird einmal über dieses edle Handwerk berichtet, wie es diese Jahrhundert alten Kunst gebührt. Es ist einfach toll zu lesen, dass es immer wieder Personen gibt, die sich diesem ehrenwerten Beruf des Büchsenmachers verschreiben. Noch besser, dass sie sich berufen fühlen, ein eigenes Geschäft zu eröffnen und auch Interessierte und lernwillige Personen diese Handwerkskunst näher bringen wollen. Sebastian, lass krachen. Du darfst mich jetzt schon zu Deinen Kunden zählen. Viel Erfolg."
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