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10.02.2018 bis 30.04.2018
Ausstellung
12.00 Uhr
Museum Moderner Kunst

Poesie und Prosa

Das   MMK   präsentiert   aus   seiner   Sammlung   Gemälde,   Grafiken,   Fotografien   und  
Objektbilder  zeitgenössischer  Künstler,  vornehmlich  aus  Deutschland  und  Österreich.  Es 
werden  sowohl  gegenständliche  als  auch  abstrakte,  sowohl  lebhaft  farbige  als  auch 
monochrom-lineare Gestaltungen gezeigt. Gemeinsam ist den meisten Werken die ihnen
innewohnende  „Poesie“,  eine  nahezu  magische  Wirkung,  die  vor  allem  im  Bereich  der 
Stille, jenseits von Pathos und Aufdringlichkeit, angesiedelt ist.
Der Begriff „Poesie“, der in früheren Zeiten alle dichterischen Werke umfasste und ab dem
19.  Jahrhundert  immer  mehr  durch  den  Begriff  „Literatur“  ersetzt  worden  ist,  wird  heute 
vor  allem  noch  als  Synonym  für  den  Textbereich  der  Lyrik  verwendet.  Weit  größere 
Bedeutung  hat  der  Begriff  „Poesie“  mittlerweile  aber  als  Bezeichnung  einer  bestimmten 
Wirkungsart.  So  spricht  man  beispielsweise  von  einer  „poetischen  Stimmung“  oder  der 
„Poesie  eines  Augenblicks“.  Folgerichtig  habe
n  auch  bildende  Künstler  diesen  Begriff  für 
sich entdeckt.
Die tschechische Künstlerin Anna Kocourková (*1942) beschäftigt sich seit 1996 mit ihrem
Projekt „Totale Poesie“. In dem Zyklus von nicht arrangierten Fotografien dokumentiert sie
die  „Poesie  des  Alltags“,  die  Wirkung  von 
meist  einfachen  Dingen,  die  bei  genauerer 
Betrachtung eine Fülle von Metaphern und Symbolen offenbaren.
Voll  von  „Poesie“  sind  die  Bilder  der  österreichischen  Künstlerin  Helga  Hofer  (*1955), 
deren   Hauptmotiv   die   Frau   ist.   Den   schlichten,   aber   symbolhaft   aufgeladenen  
Darstellungen der Künstlerin haftet meist etwas Archaisches und Ursprünglich

Im  Werk  des  österreichischen  Künstlers  Alois  Riedl  (*1935)  kann  die  Poesie  der  aus 
speziellen  Alltagsgegenständen  –  meist  Polstermöbeln  und  Stühlen  –  erwachsenen 
abstrakten Formen entdeckt werden. 
Den  monochromen  Arbeiten  Karl  Schleinkofers  (*1951)  schließlich  wohnt  eine  ganz 
besondere  Art  von  Poesie  inne,  eine  des 
„fließenden  Stillstands“  oder  der  „hellen 
Dunkelheit“.  Mit  seinen  Bildern  aus  sich  überlagernden  schwarzen,  grauen  und  weißen 
Linien lädt Schleinkofer den Betrachter ein, in vorsprachliche Bildwelten einzutauchen, in
eine vielschichtige Welt der Ursprünglichkeit und Wildnis hinter dem reinen Schwarz.
Das  Werk  von  Hannsjörg  Voth  (*1940),  einem  der  Wegbereiter  von  Konzeptkunst  und 
Land  Art  in  Deutschland,  entführt  in  eine  symbolhaft  verfremdete  Realität.  Mit  seinen 
Objektkästen    „Erntedank    in    Niederbayern“   
thematisiert    Voth    die    industrialisierte   
Landwirtschaft    mit    ihren    Monokulturen    und    den    sich    dadurch    ergebenden   
Umweltproblemen.  Trotz  dieses  „prosaischen“  Themas  entfalten  auch  diese  Arbeiten  mit 
ihren  Erd-  und  Pflanzenmaterialien,  Vogelfedern  oder  vergoldeten  Tierknochen  eine 
suggestive „poetische“ Kraft. 
Eine besondere Rarität sind die Blätter aus der „Edition Ghetto“, einem 1987/88 in Passau
erschienenen  Grafikzyklus.  Diese  Edition  vereint  Werke  von  26  Künstlern,  die  zum  Teil 
Mitarbeiter  und  Studierende  des  Referats  Kunstpädagogik  der  noch  jungen  Universität 
Passau  waren.  Der  Name  „Ghetto“  bezieht  sich  auf  das  erste  Studentendorf  in  Passau, 
das  auf  dem  Gelände  des  heutigen  Sportzentrums  lag.  Die  Studentensiedlung,  in  der 
"linksradikales  und  autonomes  Gedankengut"  vermutet  wurde,  fiel  1996  nach  über 
zehnjährigem   Kampf   der   Bewohner   den   von   zahlreichen   Polizisten   begleiteten  
Abrissbaggern  zum  Opfer.  –  Aus  den  technisch  und  motivisch  sehr  unterschiedlichen 
Arbeiten  der  Edition,  von  denen  einige  auch 
das  Passauer  Ghetto  selbst  thematisieren, 
wurde für diese Schau eine Auswahl getroffen. Das Blatt „Flying Bunny“ von Max Kanior
ziert das Ausstellungsplakat.
Zu einem Gutteil verdankt sich diese Schau mehreren großzügigen Schenkungen an das
Museum.  Im  Laufe  der  Jahre  ist  durch  wie
derholte  Gaben  Alois  Riedls  eine  stattliche 
Anzahl von Werken des Künstlers in der Sammlung des Museums zusammengekommen.
Im Jahr 2015 schenkte das Ehepaar Hacker aus Salzweg dem MMK die seltene Ghetto-
Mappe,  außerdem  überreichte  die  Künstlerin  Anna  Kocourková  dem  Haus  mehrere 
Fotografien  ihres  Zyklus  „Totale  Poesie“.  Zum  Jahresende  2016  schenkte  die  berühmte 
Münchner Galerie van de Loo dem Passauer Museum eine größere Anzahl von Arbeiten
der Künstler Karl Schleinkofer und Pia Mühlbauer. Im Dezember 2017 gab die Künstlerin
Helga  Hofer  eine  Reihe  von  Arbeiten  in  die  Sammlung  des  Museums.  Die  jüngste  Gabe 
sind  die  großformatigen  Materialbilder  von  Hannsjörg  Voth,  welche  die  Sammlung  des 
Museums im Bereich der Objektkunst um eine wichtige aktuelle Position erweitern.
Diese Bestandsausstellung wird bis auf Weiteres zu sehen sein. Im Lauf des Jahres wird
es dazu erstmals eine Audio-Führung im Museum Moderner Kunst geben.
Die   Museumspädagogik   des   Hauses   nimmt   zahlreiche   Aspekte   der   Sammlungs-
präsentation auf und bietet ein vielfältiges Programm für alle Altersgruppen an.



passau-live.de - Infos Museum Moderner Kunst

Ort: Museum Moderner Kunst

Bräugasse 17
94032 Passau
Telefon: 0851-3838790

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